Erobella Research · November 2026
74.000 Sexarbeiter:innen nach unserer Rechnung, Stand Ende 2025. Nicht 400.000.
Seit 1986 geistert die Zahl 400.000 durch Zeitungen und Parlamente. Jeder Punkt hier steht für 100 Menschen.
Nach unserer Rechnung sind es rund 74.000. Mehr als vier von fünf Punkten verschwinden.
32.474 davon sind angemeldet, wie es das Prostituiertenschutzgesetz verlangt. Rund 42.000 arbeiten ohne Anmeldung.
Kurz gesagt
§ 1Die Zahlen im Umlauf
400.000, 250.000, 200.000: Diese Zahlen tauchen seit 40 Jahren in Zeitungen, Gesetzentwürfen und Bundestagsanträgen auf. Gezählt hat sie niemand.
Die 400.000 gehen auf eine Tagung katholischer Verbände im Jahr 1985 zurück. Dort war von mehr als 200.000 Prostituierten die Rede, dazu von einer Dunkelziffer, die „fast noch einmal so hoch“ sei. Die EMMA machte daraus 1986 eine feste Zahl: 400.000. Zwei Jahre später griff die Hurenorganisation Hydra die Zahl auf, 2001 stand sie im Gesetzentwurf zum Prostitutionsgesetz.
Die 200.000 kursieren seit den 1980er-Jahren. Bekannt wurden sie durch die Welt am Sonntag 2013: Sie fragte Großstädte nach ihren Zahlen und rechnete die höchste Dichte, die von Augsburg, auf ganz Deutschland hoch. 2016 legte die Bundesregierung die Zahl ihrer Kostenschätzung zum Prostituiertenschutzgesetz zugrunde. Die 250.000 lassen sich auf ein Papier der Hanns-Seidel-Stiftung von 2022 zurückführen; der Autor nennt sie seine eigene Schätzung, ohne die Rechnung offenzulegen. Seitdem stehen sie in einem Antrag und einem Positionspapier der Unionsfraktion und in Stellungnahmen von Hilfsorganisationen.
Die gesetzlich vorgeschriebene Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes kam 2025 zu dem Schluss, der Anteil der nicht Angemeldeten lasse sich nicht bestimmen. Es gebe „lediglich Schätzungen“, und die gingen „weit auseinander“.
§ 2Unsere Rechnung
Wir zählen nicht selbst. Wir nehmen die amtliche Zahl der Angemeldeten und rechnen das Dunkelfeld dazu. Der Ansatz ist derselbe wie 2023 und 2024. Neu sind die Daten und strengere Regeln für die Auswahl der Gebiete.
Seit Juli 2017 müssen sich Prostituierte nach dem Prostituiertenschutzgesetz bei der zuständigen Behörde anmelden, in der Regel bei Stadt oder Landkreis. Ende 2025 waren in Deutschland 32.474 Anmeldungen gültig. Viele arbeiten aber ohne Anmeldung. Wie viele, weiß niemand genau.
Einen Anhaltspunkt geben Städte und Regionen, in denen es neben der amtlichen Zahl eine Schätzung gibt, wie viele Menschen dort insgesamt in der Sexarbeit tätig sind, meist von Gesundheitsämtern, Polizei, Beratungsstellen oder Landesregierungen. Wir haben rund 60 Städte, Kreise und Länder geprüft. In vierzehn Gebieten, von Berlin bis Oberhausen und zum Bodenseekreis, passt die Schätzung zeitlich zur Anmeldezahl und liegt nicht darunter. Dort liegen die Schätzungen zusammengenommen 2,29-mal so hoch wie die Zahl der Angemeldeten aus derselben Zeit. Diesen Faktor übertragen wir auf ganz Deutschland.
Wie sicher ist das? Wir haben die Rechnung 20.000-mal wiederholt, jedes Mal mit zufällig gezogenen Gebieten und Schätzwerten aus den genannten Spannen. In neun von zehn Durchläufen liegt das Ergebnis zwischen 57.000 und 95.000. Von den rund 74.000 sind damit gut vier von zehn angemeldet.
Quellen: Anmeldungen nach ProstSchG von Städten und statistischen Landesämtern; Schätzungen von Beratungsstellen, Gesundheitsämtern, Polizei, Stadtverwaltungen und Landesregierungen; Anmeldungen auch von Landratsämtern; jeweils höchstens zwei Kalenderjahre auseinander. Einzelnachweise in der Methode („Schätzung und Anmeldung je Gebiet“) und im Quellenverzeichnis. Auswertung: Erobella.
Lesehilfe: Punkt: Ergebnis. Balken bei unserer Schätzung: 90 Prozent der 20.000 Durchläufe, bei den Anzeigen: von nur direkt angelegten bis zu allen Anzeigen, Punkt in der Mitte zwischen beiden Varianten. Gestrichelt: die oft genannten 250.000 und 400.000. Auswertung: Erobella.
Jede Rechnung hat Schwächen. Deshalb haben wir sie auf vier andere Arten gegengeprüft: jedes Gebiet gleich gewichtet, damit Berlin nicht den Ausschlag gibt; mit den heutigen statt den damaligen Anmeldezahlen; mit den Schätzungen, die unter der Zahl der Angemeldeten liegen und die wir sonst aussortieren; und mit den Anzeigen auf Erobella statt der Anmeldungen, was regionale Unterschiede bei der Anmeldung ausgleicht.
Alle Ergebnisse liegen zwischen 64.000 und 79.000. Keins kommt in die Nähe von 250.000. Alle vier nutzen dieselben Schätzungen vor Ort; sie prüfen die Rechenweise, nicht die Schätzungen selbst.
Nach der Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ (GeSiD) haben 4 Prozent der Männer zwischen 18 und 75 Jahren im Jahr vor der Befragung für Sex bezahlt, befragt 2018 und 2019. Ohne Käufe im Ausland und mit einem Zuschlag für andere Gruppen sind das rund eine Million Kunden. Wie oft sie bezahlen, hat niemand repräsentativ erhoben; wir rechnen mit acht Treffen im Jahr.
Dann hätte bei 74.000 Sexarbeiter:innen jede im Schnitt rund 2,6 Kunden pro Woche. Das passt dazu, dass viele nur zeitweise arbeiten. Bei 250.000 wären es 0,8 Kunden pro Woche, bei 400.000 einer alle zwei Wochen. Von einem Kunden alle zwei Wochen kann niemand leben.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistik nach dem Prostituiertenschutzgesetz. 2017: Anmeldepflicht erst ab Juli.
Die Zahl der Angemeldeten ist nach dem Einbruch in der Pandemie wieder gestiegen, zuletzt kaum noch: um 0,7 Prozent auf 32.474. Den Stand von Ende 2019, rund 40.400, hat sie nicht wieder erreicht.
Gut vier von fünf Angemeldeten haben nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Die größte Gruppe sind mit 35 Prozent Rumäninnen und Rumänen, es folgen Bulgarinnen und Bulgaren mit 11 und Spanierinnen und Spanier mit 9 Prozent. Deutsche machen 18 Prozent aus.
§ 3Die Städte
Überträgt man den Faktor von 2,29 auf die einzelnen Städte, kommen in Frankfurt rund 490 Sexarbeiter:innen auf 100.000 Einwohner, in Berlin rund 110.
| Stand | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Berlin | 3.700.577 | 1.705 | 31.12.2024 | 3.904 | 105 |
| München | 1.505.036 | 1.638 | 31.12.2025 | 3.751 | 249 |
| Frankfurt am Main | 760.656 | 1.630 | 25.03.2024 | 3.733 | 491 |
| Hamburg | 1.869.473 | 1.278 | 31.12.2025 | 2.927 | 157 |
| Köln | 1.025.523 | 1.035 | 31.12.2025 | 2.370 | 231 |
| Nürnberg | 531.159 | 894 | 31.12.2025 | 2.047 | 385 |
| Bremen (mit Bremerhaven) | 706.915 | 707 | 31.12.2025 | 1.619 | 229 |
| Stuttgart | 609.365 | 694 | 31.12.2023 | 1.589 | 261 |
| Dortmund | 600.880 | 601 | 31.12.2025 | 1.376 | 229 |
| Essen | 573.618 | 562 | 31.12.2025 | 1.287 | 224 |
| Düsseldorf | 619.444 | 479 | 31.12.2025 | 1.097 | 177 |
| Leipzig | 615.932 | 425 | Mai 2025 | 973 | 158 |
| Duisburg | 500.810 | 365 | 31.12.2025 | 836 | 167 |
| Bochum | 358.880 | 335 | 31.12.2025 | 767 | 214 |
| Dresden | 562.764 | 280 | 31.12.2024 | 641 | 114 |
| Münster | 306.368 | 140 | 31.12.2025 | 321 | 105 |
Weil wir überall denselben Faktor ansetzen, spiegelt die Rangfolge vor allem die Anmeldungen je Einwohner wider. Zum Vergleich: Die Welt am Sonntag rechnete 2013 mit 244 Prostituierten je 100.000 Einwohner und kam so auf 200.000 für ganz Deutschland. Von den 16 Städten in unserer Tabelle erreichen nach unserer Schätzung nur Frankfurt am Main, Nürnberg, Stuttgart und München diese Dichte. Im Bundesschnitt sind es rund 89.
Gezählt wird dort, wo sich jemand anmeldet, nicht unbedingt dort, wo er oder sie arbeitet. Für Hannover gibt es keine überprüfbare Zahl der Stadt, in Bielefeld meldet sich ganz Ostwestfalen-Lippe an. Beide fehlen deshalb in der Tabelle.
Lesehilfe: „Angemeldet“ ist die jüngste verfügbare Zahl der Stadt (meist zum 31.12.2025, sonst der letzte veröffentlichte Stand; für Berlin hat Destatis für 2025 den Stand von 2024 übernommen). „Schätzung Erobella“ = angemeldet × 2,29. Einwohner: Statistisches Bundesamt, 31.12.2025. Spalten lassen sich sortieren. Tabelle als CSV
§ 4Wer anbietet
Von den aktiven Anzeigen auf Erobella stammen 85,8 Prozent von Frauen, 9,2 Prozent von trans Personen und 5,0 Prozent von Männern. Erobella ist eine der großen Anzeigenplattformen für Sexarbeit in Deutschland.
Quelle: Erobella, 23.635 aktive Anzeigen mit Angabe zum Geschlecht am 2. November 2026. Auswertung: Erobella.
Auf unsere Schätzung übertragen wären das rund 6.800 trans Sexarbeiter:innen und rund 3.700 Männer. 2024 lagen die Anteile bei 8,4 und 4,3 Prozent.
Wer etwa in manchen Bordellen oder auf dem Straßenstrich arbeitet, inseriert seltener online und ist in diesen Daten deshalb unterrepräsentiert.
§ 5Die Debatte
Ende November will die Prostituiertenschutz-Kommission der Bundesregierung erste Empfehlungen vorlegen. Die Zahlen, die in der Debatte genannt werden, liegen weit auseinander.
Im November 2025 sprachen sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Gesundheitsministerin Nina Warken (beide CDU) für ein Sexkaufverbot aus. Ende November 2025 nahm die Prostituiertenschutz-Kommission ihre Arbeit auf, die Familienministerin Karin Prien (CDU) wie im Koalitionsvertrag vereinbart eingesetzt hat. Sie soll auf Grundlage der Evaluation Empfehlungen erarbeiten.
Ein Mitglied der Kommission schrieb dem Bundestag im September 2026, die Schätzungen lägen „zwischen 100.000 und 700.000“. Die Frauenrechtsorganisation SOLWODI spricht von 250.000. Nach unserer Rechnung sind es rund 74.000, mit einer Spanne von 57.000 bis 95.000.
Ob man ein Sexkaufverbot will oder nicht: Für Beratung, Gesundheitsangebote und Ausstiegshilfen macht es einen großen Unterschied, ob es um rund 74.000 Menschen geht oder um 400.000.
„Die 400.000 sind 40 Jahre alt, und gezählt hat sie nie jemand. Wer über ein Sexkaufverbot entscheidet, sollte wenigstens wissen, über wie viele Menschen er entscheidet. Nach allem, was sich belegen lässt, sind es rund 74.000.“
§ 6Methode
Grundlage sind amtliche Anmeldezahlen und Schätzungen vor Ort. Die Anzeigen auf Erobella nutzen wir nur für eine der vier Gegenrechnungen und für die Anteile nach Geschlecht.
1. Ausgangspunkt ist die Zahl der gültigen Anmeldungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz zum 31.12.2025: 32.474 (Statistisches Bundesamt).
2. Für Städte, Kreise und Länder suchen wir zwei Zahlen: die amtliche Zahl der Angemeldeten und eine Schätzung, wie viele Sexarbeiter:innen dort insgesamt arbeiten, angemeldet oder nicht. Sie stammt vom Gesundheitsamt, von der Polizei, von Beratungsstellen, der Stadtverwaltung oder der Landesregierung.
3. Schätzung und Anmeldezahl dürfen höchstens zwei Jahre auseinanderliegen, gerechnet ab dem Jahr, in dem eine Stelle die Schätzung genannt hat. Gibt eine Stelle eine Spanne an, nehmen wir die Mitte.
4. Die Summe der Schätzungen geteilt durch die Summe der Anmeldungen ergibt den Faktor: 24.971 geteilt durch 10.910 gleich 2,29.
5. 32.474 × 2,29 = 74.365, gerundet 74.000. Wir runden auf Tausender, weil die Rechnung keine genauere Zahl hergibt.
Wir haben die 15 größten Städte geprüft, dazu Bochum, Bielefeld und Münster aus der Rechnung von 2024 und rund 40 weitere Städte, Kreise und Länder. Ein Gebiet kommt in die Rechnung, wenn eine Stelle vor Ort die Gesamtzahl der Sexarbeiter:innen geschätzt hat, 2015 oder später und überprüfbar, wenn es eine Anmeldezahl aus derselben Zeit gibt und die Schätzung nicht unter der Zahl der Angemeldeten liegt. Das trifft auf vierzehn Gebiete zu: Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Leipzig, Dortmund, Essen, Nürnberg, Bremen, Augsburg, Bodenseekreis, Thüringen, Oberhausen.
Nicht dabei, unter anderem: München (keine Gesamtschätzung; der Berufsverband BesD sagt nur, „gut die Hälfte“ sei angemeldet); Dresden (die Stadt nannte 2020 nur ihre Schätzung aus der Zeit vor dem Prostituiertenschutzgesetz); Düsseldorf (die Stadt nennt täglich 400 bis 600 Personen, weniger als die 715 Angemeldeten von 2019; die 4.320 in unserer Rechnung von 2024 beruhten nur auf einer Zeitungsüberschrift, 432 × 10); Duisburg (die einzige Schätzung, rund 500 pro Tag in den Jahren 2015 bis 2017, liegt unter der Zahl der Angemeldeten); Hannover (weder Anmeldezahl der Stadt noch Schätzung überprüfbar); Bochum (Schätzung von 500 aus dem Jahr 2020 steht hinter einer Bezahlschranke, nicht überprüfbar); Münster (Schätzung von 700 aus dem Jahr 2017 nicht mehr abrufbar); Bielefeld (die Schätzung von rund 1.000 gilt für ganz Ostwestfalen-Lippe, und die amtliche Zahl von Ende 2019 (330) passt nicht zu den 823 Anmeldebescheinigungen, die die Stadt bis März 2019 ausgestellt hatte); Sachsen (die Landeszahl von 8.000 bis 10.000 stammt aus der Begründung zum Ausführungsgesetz von 2017, also aus der Zeit, bevor sich in Sachsen jemand anmelden konnte; sie ist nur im Zitat der Stadt Dresden überliefert, wonach sie „teilweise“ auf Steuerdaten beruht); Rosenheim und Schweinfurt (nur mit Anmeldezahlen aus der Startphase 2017 vergleichbar); Wuppertal (die 800 von 2018 sind die erwartete Zahl für die Pflichtberatung, keine Schätzung der Gesamtzahl).
In vielen kleineren Städten liegt die Schätzung unter der Zahl der Angemeldeten, etwa in Ingolstadt, Ulm, Pforzheim und im Saarland. Anmeldungen gelten zwei Jahre und überall in Deutschland, manche Schätzungen zählen nur, wer an einem Tag arbeitet. Diese Paare zählen wir nicht, prüfen sie aber in einer Gegenrechnung.
Rechnet man München mit der Angabe des Berufsverbands und Dresden mit der älteren Schätzung dazu, liegt der Faktor bei 2,23 statt 2,29. Nähme man die sächsische Landeszahl dazu, läge der Faktor bei 2,90 und die Schätzung bei rund 94.000, am oberen Ende unserer Spanne.
Auch die Zahlen vor Ort sind nur Schätzungen. Sie stammen von Stellen, die täglich mit Sexarbeiter:innen zu tun haben, gezählt hat aber niemand. Einige sind mehrere Jahre alt, in Stuttgart und Essen haben die Städte ältere Schätzungen 2023 als weiterhin gültig bestätigt. Der Faktor reicht von 1,4 in Thüringen bis 4,4 in Berlin.
Für die Spanne haben wir die Rechnung 20.000-mal wiederholt (Bootstrap): Jedes Mal ziehen wir die Gebiete zufällig neu, mit Zurücklegen, und für jede Schätzung einen Wert aus ihrer Spanne. Das mittlere 90-Prozent-Band der Ergebnisse reicht von 57.000 bis 95.000. Nimmt man stattdessen bei allen Spannen das untere oder das obere Ende, sind es 64.000 und 85.000. Lässt man ein einzelnes Gebiet weg, liegt das Ergebnis zwischen 63.000 und 80.000.
Die Zahl ist keine Stichtagszählung: Anmeldungen gelten zwei Jahre, und einige Schätzungen vor Ort zählen, wie viele Menschen im Lauf eines Jahres in einer Stadt arbeiten. An einem einzelnen Tag sind weniger Menschen tätig.
Gleich gewichtet: Statt die Schätzungen aufzusummieren, nehmen wir das geometrische Mittel der Faktoren aller Gebiete (1,98). So zählt Berlin so viel wie Augsburg. Ergebnis: 64.000.
Heutige Anmeldungen: Wir teilen die Schätzungen durch die jüngsten Anmeldezahlen (meist Ende 2025) statt durch die aus dem Jahr der Schätzung. Das unterstellt, dass sich die Zahl vor Ort seitdem nicht verändert hat. Ergebnis: 78.000.
Schätzungen unter der Anmeldezahl: Wir nehmen 6 Paare dazu, bei denen die Schätzung unter der Zahl der Angemeldeten liegt (Ingolstadt, Ulm, Pforzheim, Saarland, Duisburg, Düsseldorf). Ergebnis: 64.000.
Anzeigen statt Anmeldungen: Wir setzen die Schätzungen ins Verhältnis zu den aktiven Anzeigen auf Erobella im selben Gebiet und übertragen das auf alle 23.922 aktiven Anzeigen in Deutschland. Das gleicht aus, dass sich in manchen Ländern, etwa im Osten, deutlich weniger Menschen anmelden. Es unterstellt aber, dass Erobella überall ähnlich stark genutzt wird und sich die Zahl vor Ort seit der Schätzung nicht verändert hat. Mit allen Anzeigen kommen 79.000 heraus, nur mit direkt bei Erobella angelegten Anzeigen 69.000.
„Aktive Anzeigen“ sind alle Anzeigen, die am 2. November 2026 auf erobella.com online waren, zusammen 23.922. Für die Anteile nach Geschlecht zählen die 23.635 Anzeigen mit Angabe zum Geschlecht. Diese Anteile übertragen wir auf die Gesamtschätzung.
Wer etwa in manchen Bordellen oder auf dem Straßenstrich arbeitet, inseriert seltener online. Die Anteile sind deshalb eine Näherung.
Grundlage ist die GeSiD-Studie (Döring u. a., Deutsches Ärzteblatt 2022): 4,0 Prozent der Männer zwischen 18 und 75 haben im Jahr vor der Befragung für Sex bezahlt (95-Prozent-Intervall 3,1 bis 5,2), befragt 2018 und 2019. Auf 30.657.040 Männer dieses Alters, den Anteil, der in Deutschland bezahlt, und einen Zuschlag von 10 Prozent für ältere Männer, Frauen, Tourist:innen und Grenzverkehr gerechnet, sind das rund 1.070.000 Kunden im Jahr.
Wie oft Kunden bezahlen, ist nicht repräsentativ erhoben. Wir rechnen mit acht Treffen im Jahr, also rund 8,5 Millionen bezahlten Treffen, und 44 Arbeitswochen. Mit weniger oder mehr Treffen pro Kunde ändert sich das Ergebnis stark. Die Gegenprobe zeigt deshalb vor allem, dass Zahlen von 250.000 oder 400.000 nicht zur Nachfrage passen. In der nicht repräsentativen Befragung für die Evaluation des Gesetzes gaben Sexarbeiter:innen je nach Gruppe 2,6 bis 4,3 Kund:innen pro Arbeitstag und 3,7 bis 5,1 Arbeitstage pro Woche an, nach unserer Rechnung rund 15 Kunden pro Woche.
2024 kamen wir auf 91.700, mit einem Faktor von 3,0. Der Unterschied ist kein Rückgang, sondern eine sauberere Rechnung. 2024 haben wir aktuelle Anmeldezahlen teils mit Schätzungen verglichen, die viele Jahre älter waren, in Köln mit einer Polizeizahl von 2002. In Hamburg war die Anmeldezahl eine Summe über zwei Jahre, in Düsseldorf gab es gar keine Schätzung vor Ort.
Dieses Mal liegen Schätzung und Anmeldezahl höchstens rund zwei Jahre auseinander, und jede Zahl ist mit einer Quelle belegt. Mit dem alten Faktor von 3,0 kämen wir heute auf 97.400.
Die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes hat unsere Zahl von 2024 zitiert und als „nur bedingt belastbar“ eingeordnet, weil sie auf Schätzungen vor Ort beruht. Das gilt auch für diese Rechnung. Deshalb nennen wir dieses Mal für jede Stadt die Quelle und rechnen mit Spannen.
| Gebiet | Schätzung | Jahr | Angemeldet | Jahr | Faktor |
|---|---|---|---|---|---|
| Augsburg | 450 | 2019 | 269 | 2019 | 1,67 |
| Berlin | 7.000 | 2022 | 1.590 | 2022 | 4,40 |
| Bodenseekreis | 275 | 2019 | 157 | 2019 | 1,75 |
| Bremen | 1.050 | 2018 | 643 | 2019 | 1,63 |
| Dortmund | 2.000 | 2020 | 589 | 2020 | 3,40 |
| Essen | 1.200 | 2023 | 653 | 2023 | 1,84 |
| Frankfurt am Main | 2.800 | 2017 | 1.877 | 2018 | 1,49 |
| Hamburg | 2.350 | 2018 | 930 | 2018 | 2,53 |
| Köln | 3.250 | 2017 | 1.651 | 2019 | 1,97 |
| Leipzig | 700 | 2021 | 353 | 2023 | 1,98 |
| Nürnberg | 1.550 | 2018 | 936 | 2018 | 1,66 |
| Oberhausen | 300 | 2017 | 204 | 2019 | 1,47 |
| Stuttgart | 1.546 | 2023 | 694 | 2023 | 2,23 |
| Thüringen | 500 | 2021 | 364 | 2020 | 1,37 |
| Summe | 24.971 | 10.910 | 2,29 |
Berlin: Beratungsstellen nannten 2022 6.000 bis 8.000. Hamburg: Die Polizei nannte 2018 2.200 bis 2.500, das LKA rund 2.500. Köln: Die Stadt nannte 2017 1.500 bis 5.000; für die Untergrenze setzen wir die Zahl der Angemeldeten an. Stuttgart und Essen: Die Städte haben 2023 ältere Schätzungen als weiterhin gültig bestätigt. Leipzig: Schätzung des Gesundheitsamts, zuletzt im kreuzer 6/2021. Frankfurt: Anmeldevorgänge 2018, kein Stichtagsbestand. Bremen: Land Bremen mit Bremerhaven. Augsburg: Stadt Augsburg 2019, nur Bordelle und Bordellwohnungen, ohne Escort und Hausbesuche. Bodenseekreis: Beratungsstelle Arkade 2019 für Friedrichshafen, nur Frauen; Friedrichshafen ist die einzige Gemeinde im Kreis über 35.000 Einwohner. Die 157 Anmeldungen beim Landratsamt nennt derselbe Zeitungsbericht, kein amtlicher Stichtagsbestand. Thüringen: Schätzung der Landesregierung in der Kostenrechnung zum Ausführungsgesetz 2021 (rund 350 Angemeldete plus rund 150 Dunkelziffer), verglichen mit 364 Anmeldungen Ende 2020, dem letzten Stand vor der Schätzung; Ende 2021 waren es in der Pandemie nur 138. Oberhausen: Schätzung des Gesundheitsamts von 2017, nur Frauen. Bei Spannen rechnen wir mit der Mitte; „höchstens zwei Jahre auseinander“ meint Kalenderjahre.
§ 7Fragen
§ 8Presse
Alle Zahlen und Grafiken dürfen Sie mit Quellenangabe „Erobella Research“ frei verwenden.
Dara Weston, PR-Manager
dara@erobella.com
Interviews und Rückfragen zur Methode vermittelt Dara Weston.
Erobella Research (2026): Wie viele Sexarbeiter:innen gibt es in Deutschland? https://erobella.com/research/sexarbeit-in-deutschland/
Quellen