Research

Erobella Research · November 2026

Wie viele Sexarbeiter:innen gibt es in Deutschland?

76.600 Sexarbeiter:innen nach unserer Rechnung, Stand Ende 2025. Nicht 400.000.

Seit 1986 geistert die Zahl 400.000 durch Zeitungen und Parlamente. Jeder Punkt hier steht für 100 Menschen.

Nach unserer Rechnung sind es rund 76.600. Mehr als vier von fünf Punkten verschwinden.

32.474 davon sind angemeldet, wie es das Prostituiertenschutzgesetz verlangt. Rund 44.100 arbeiten ohne Anmeldung.

angemeldetnicht angemeldetbehauptet, aber nicht belegt
1 Punkt = 100 Menschen
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Kurz gesagt

§ 1Die Zahlen im Umlauf

Eine Zahl, die sich seit 40 Jahren hält

400.000, 250.000, 200.000: Diese Zahlen tauchen seit 40 Jahren in Zeitungen, Gesetzentwürfen und Bundestagsanträgen auf. Gezählt hat sie niemand.

Die 400.000 gehen auf eine Tagung katholischer Verbände im Jahr 1985 zurück. Dort war von mehr als 200.000 Prostituierten die Rede, dazu von einer Dunkelziffer, die „fast noch einmal so hoch“ sei. Die EMMA machte daraus 1986 eine feste Zahl: 400.000. Zwei Jahre später griff die Hurenorganisation Hydra die Zahl auf, 2001 stand sie im Gesetzentwurf zum Prostitutionsgesetz.

Die 200.000 kursieren seit den 1980er-Jahren. Bekannt wurden sie durch die Welt am Sonntag 2013: Sie fragte Großstädte nach ihren Zahlen und rechnete die höchste Dichte, die von Augsburg, auf ganz Deutschland hoch. 2016 legte die Bundesregierung die Zahl ihrer Kostenschätzung zum Prostituiertenschutzgesetz zugrunde. Die 250.000 lassen sich auf ein Papier der Hanns-Seidel-Stiftung von 2022 zurückführen; der Autor nennt sie seine eigene Schätzung, ohne die Rechnung offenzulegen. Seitdem stehen sie in einem Antrag und einem Positionspapier der Unionsfraktion und in Stellungnahmen von Hilfsorganisationen.

Die gesetzlich vorgeschriebene Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes kam 2025 zu dem Schluss, der Anteil der nicht Angemeldeten lasse sich nicht bestimmen. Es gebe „lediglich Schätzungen“, und die gingen „weit auseinander“.

  1. 1985 Tagung katholischer Verbände, berichtet in der Frankfurter Rundschaumehr als 200.000, dazu eine Dunkelziffer „fast noch einmal so hoch“ 200.000
  2. 1986 EMMA„400.000 Prostituierte, legal und illegal“ 400.000
  3. 2001 Gesetzentwurf von SPD und Grünen zum Prostitutionsgesetz„nach seriösen Schätzungen“ 400.000
  4. 2013 Welt am Sonntagdie Dichte von Augsburg auf ganz Deutschland hochgerechnet 200.000
  5. 2022 Hanns-Seidel-Stiftung (Helmut Sporer)eigene Schätzung des Autors, Rechnung nicht offengelegt 250.000
  6. 2024 Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion„von Experten geschätzten mindestens 250.000“ 250.000
  7. 2025 taz, Debattenbeitrag„schätzungsweise 400.000“ 400.000
  8. 2026 SOLWODI, als Reaktion auf die neue Zahl des Statistischen Bundesamtsohne Angabe einer Methode 250.000
  9. 2026 Gregor Thüsing, Mitglied der Expertenkommission, Stellungnahme an den Bundestag„zwischen 100.000 und 700.000“, in einer Fußnote bis 700.000
  10. Mit offengelegter Grundlage
  11. 2020 Doña Carmen e. V., ModellrechnungObergrenze, alle im Lauf eines Jahres Tätigen 90.000
  12. 2025 Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (KFN)Anteil der nicht Angemeldeten „lässt sich nicht bestimmen“ offen
  13. 2025 Statistisches Bundesamtgültig angemeldet zum Jahresende 32.474
  14. 2026 Erobella Research, diese Studie32.474 Angemeldete × 2,36, Spanne 65.900 bis 88.000 76.600

§ 2Unsere Rechnung

Amtliche Zahl plus Dunkelfeld

Wir zählen nicht selbst. Wir nehmen die amtliche Zahl der Angemeldeten und rechnen das Dunkelfeld dazu. Der Ansatz ist derselbe wie 2023 und 2024. Neu sind die Daten und strengere Regeln für die Auswahl der Städte.

32.474angemeldet zum Jahresende 2025 (Statistisches Bundesamt)
×
2,36Faktor aus zehn Großstädten: geschätzt geteilt durch angemeldet
=
76.600Sexarbeiter:innen insgesamt, gerundet

Seit Juli 2017 müssen sich Prostituierte nach dem Prostituiertenschutzgesetz bei der zuständigen Behörde anmelden, in der Regel bei Stadt oder Landkreis. Ende 2025 waren in Deutschland 32.474 Anmeldungen gültig. Viele arbeiten aber ohne Anmeldung. Wie viele, weiß niemand genau.

Einen Anhaltspunkt geben die Großstädte. In zehn von ihnen gibt es neben der amtlichen Zahl eine Schätzung, wie viele Menschen dort insgesamt in der Sexarbeit tätig sind, meist von Gesundheitsämtern, Polizei, Beratungsstellen oder Stadtverwaltungen. Zusammengenommen liegen diese Schätzungen 2,36-mal so hoch wie die Zahl der Angemeldeten aus derselben Zeit. Diesen Faktor übertragen wir auf ganz Deutschland.

Nimmt man bei den Schätzungen jeweils das untere oder das obere Ende, ergeben sich zwischen 65.900 und 88.000 Sexarbeiter:innen. Von den rund 76.600 sind damit gut vier von zehn angemeldet.

Angemeldet und geschätzt, je Stadt

Personen · rechts: Faktor
angemeldetSchätzung vor Ort

Quellen: Anmeldungen nach ProstSchG von Städten und statistischen Landesämtern; Schätzungen von Beratungsstellen, Gesundheitsämtern, Polizei und Stadtverwaltungen, jeweils aus demselben Zeitraum (höchstens zwei Jahre auseinander). Einzelnachweise in der Methode („Schätzung und Anmeldung je Stadt“) und im Quellenverzeichnis. Auswertung: Erobella.

Angemeldete Prostituierte in Deutschland

jeweils zum Jahresende

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistik nach dem Prostituiertenschutzgesetz. 2017: Anmeldepflicht erst ab Juli.

Die Zahl der Angemeldeten ist nach dem Einbruch in der Pandemie wieder gestiegen, zuletzt kaum noch: um 0,7 Prozent auf 32.474. Den Stand von Ende 2019, rund 40.400, hat sie nicht wieder erreicht.

Gut vier von fünf Angemeldeten haben nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Die größte Gruppe sind mit 35 Prozent Rumäninnen und Rumänen, es folgen Bulgarinnen und Bulgaren mit 11 und Spanierinnen und Spanier mit 9 Prozent. Deutsche machen 18 Prozent aus.

§ 3Die Städte

Frankfurt hat die höchste Dichte der 16 Großstädte

Überträgt man den Faktor von 2,36 auf die einzelnen Städte, kommen in Frankfurt rund 510 Sexarbeiter:innen auf 100.000 Einwohner, in Berlin rund 110.

Stand
Berlin 3.700.577 1.705 31.12.2024 4.024 109 179 €
München 1.505.036 1.638 31.12.2025 3.866 257 193 €
Frankfurt am Main 760.656 1.630 25.3.2024 3.847 506 174 €
Hamburg 1.869.473 1.278 31.12.2025 3.016 161 176 €
Köln 1.025.523 1.035 31.12.2025 2.443 238 159 €
Nürnberg 531.159 894 31.12.2025 2.110 397 169 €
Bremen (mit Bremerhaven) 706.915 707 31.12.2025 1.669 236 150 €
Stuttgart 609.365 694 31.12.2023 1.638 269 172 €
Dortmund 600.880 601 31.12.2025 1.418 236 149 €
Essen 573.618 562 31.12.2025 1.326 231 146 €
Düsseldorf 619.444 479 31.12.2025 1.130 182 176 €
Leipzig 615.932 425 Mai 2025 1.003 163 164 €
Duisburg 500.810 365 31.12.2025 861 172 157 €
Bochum 358.880 335 31.12.2025 791 220 ·
Dresden 562.764 280 31.12.2024 661 117 145 €
Münster 306.368 140 31.12.2025 330 108 ·

Weil wir überall denselben Faktor ansetzen, spiegelt die Rangfolge vor allem die Anmeldungen je Einwohner wider. Zum Vergleich: Die Welt am Sonntag rechnete 2013 mit 244 Prostituierten je 100.000 Einwohner und kam so auf 200.000 für ganz Deutschland. Von den 16 Städten in unserer Tabelle erreichen nach unserer Schätzung nur Frankfurt am Main, Nürnberg, Stuttgart und München diese Dichte. Im Bundesschnitt sind es rund 92.

Gezählt wird dort, wo sich jemand anmeldet, nicht unbedingt dort, wo er oder sie arbeitet. Für Hannover gibt es keine überprüfbare Zahl der Stadt, in Bielefeld meldet sich ganz Ostwestfalen-Lippe an. Beide fehlen deshalb in der Tabelle.

Lesehilfe: „Angemeldet“ ist die jüngste verfügbare Zahl der Stadt (meist zum 31.12.2025, sonst der letzte veröffentlichte Stand; für Berlin hat Destatis für 2025 den Stand von 2024 übernommen). „Schätzung Erobella“ = angemeldet × 2,36. Einwohner: Statistisches Bundesamt, 31.12.2025. „Ø Stunde“: Durchschnitt der Stundenpreise in Anzeigen auf Erobella für die Stadt, Preise eingetragen 2024 bis 2026. Spalten lassen sich sortieren. Tabelle als CSV

§ 4Die Preise

Was kostet eine Stunde?

Erobella ist eine der großen Anzeigenplattformen für Sexarbeit in Deutschland. Wir haben alle Preisangaben seit 2021 ausgewertet.

seit 2021
150€
häufigster Preis · 1 Stunde

Ob Berlin, Hamburg oder Frankfurt: Der häufigste Preis für eine Stunde ist 150 Euro. Unter den Preisen, die 2025 und 2026 eingetragen wurden, nennt fast jede dritte Anzeige genau diesen Betrag.

In aktiven Anzeigen auf Erobella kostet eine Stunde im Schnitt 158 Euro. Hausbesuche kosten mehr: im Schnitt 198 Euro, Treffen in den Räumen der Sexarbeiter:innen 152 Euro. Wer beides anbietet, nimmt für den Hausbesuch im Schnitt rund 50 Euro mehr.

So verteilen sich die Stundenpreise

Anteil der Anzeigen, Preise eingetragen 2025 und 2026

Quelle: Erobella, 5.020 Stundenpreise in Anzeigen auf erobella.com, zuletzt eingetragen 2025 und 2026. Preis für Treffen in den Räumen der Sexarbeiter:innen, sonst für Hausbesuche. Auswertung: Erobella.

Länger ist pro Stunde etwas günstiger

Durchschnitt aktiver Anzeigen, November 2026
1/2 Stunde
94 €
Median 90 €
1 Stunde
158 €
Median 150 €
2 Stunden
302 €
Median 300 €
Übernachtung
1.144 €
Median 1.000 €

Quelle: Erobella, aktive Anzeigen am 2. November 2026. Median: die Hälfte der Anzeigen liegt darunter, die Hälfte darüber. Auswertung: Erobella.

Kürzer ist pro Minute teurer. Eine halbe Stunde kostet im Schnitt 94 Euro, rund 60 Prozent des Stundenpreises. Zwei Stunden kosten im Schnitt 302 Euro, kaum weniger als zwei einzelne.

Alle Preise stammen aus Anzeigen. Was am Ende tatsächlich gezahlt wird, kann davon abweichen.

§ 5Preise und Inflation

Gleicher Preis, weniger wert

Seit 2021 sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 21 Prozent gestiegen. Der häufigste Preis für eine Stunde ist gleich geblieben.

Stundenpreis nach Jahr

Euro · nach dem Jahr, in dem der Preis zuletzt eingetragen wurde

Quelle: Erobella, 19.427 Stundenpreise in Anzeigen 2021 bis 2026 (* 2026: bis 2. November 2026). Gestrichelt: 150 Euro von 2021, mit dem Verbraucherpreisindex fortgeschrieben (Destatis). Auswertung: Erobella.

Wer 2021 für eine Stunde 150 Euro verlangt hat und das heute noch tut, bekommt dafür real 17 Prozent weniger. Mit der Inflation Schritt gehalten hätte ein Preis von 182 Euro. Für 150 Euro musste man 2021 knapp 16 Stunden zum Mindestlohn arbeiten, heute sind es knapp 11.

Bewegung gibt es am oberen Ende. 2021 nannte etwa jede siebte Anzeige 200 Euro oder mehr, seit 2024 ist es fast jede dritte. Der Durchschnitt stieg dadurch von 143 Euro im Jahr 2021 auf 166 Euro im Jahr 2026. Das sind 16 Prozent und damit etwas weniger als der Anstieg der Verbraucherpreise.

Was seit 2021 gestiegen ist, und was nicht

Veränderung in Prozent

Quellen: Döner: YouGov Shopper-Panel, gezahlter Preis 2021 und 2025. Mindestlohn: Januar 2021 und Januar 2026. Essen zum Mitnehmen, Friseur und Körperpflege, Verbraucherpreise: Destatis, Verbraucherpreisindex (2020 = 100), Jahresdurchschnitt 2021 und Januar bis September 2026. Stundenpreise: Erobella, 2021 und 2026.

§ 6Wer anbietet

Die meisten sind Frauen. Männer verlangen weniger.

85,8 Prozent der aktiven Anzeigen auf Erobella stammen von Frauen, 9,2 Prozent von trans Personen und 5,0 Prozent von Männern.

Anzeigen nach Geschlecht

aktive Anzeigen, November 2026

Quelle: Erobella, 23.635 aktive Anzeigen mit Angabe zum Geschlecht am 2. November 2026. Auswertung: Erobella.

Auf unsere Schätzung übertragen wären das rund 7.000 trans Sexarbeiter:innen und rund 3.800 Männer. 2024 lagen die Anteile bei 8,4 und 4,3 Prozent.

Bei den Preisen gibt es eine umgekehrte Preislücke. Bei Männern ist der häufigste Preis 100 Euro, im Schnitt sind es 120 Euro, und mehr als die Hälfte verlangt 100 Euro oder weniger. Bei Frauen ist der häufigste Preis 150 Euro, im Schnitt sind es 170 Euro. Trans Personen liegen mit im Schnitt 150 Euro dazwischen. Grundlage sind hier die Preise, die 2025 und 2026 eingetragen wurden.

Wer etwa in manchen Bordellen oder auf dem Straßenstrich arbeitet, inseriert seltener online und ist in diesen Daten deshalb unterrepräsentiert.

§ 7Die Debatte

Die Debatte braucht belastbare Zahlen

Ende November will die Prostituiertenschutz-Kommission der Bundesregierung erste Empfehlungen vorlegen. Die Zahlen, die in der Debatte genannt werden, liegen weit auseinander.

Im November 2025 sprachen sich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Gesundheitsministerin Nina Warken (beide CDU) für ein Sexkaufverbot aus. Ende November 2025 nahm die Prostituiertenschutz-Kommission ihre Arbeit auf, die Familienministerin Karin Prien (CDU) wie im Koalitionsvertrag vereinbart eingesetzt hat. Sie soll auf Grundlage der Evaluation Empfehlungen erarbeiten.

Ein Mitglied der Kommission schrieb dem Bundestag im September 2026, die Schätzungen lägen „zwischen 100.000 und 700.000“. Die Frauenrechtsorganisation SOLWODI spricht von 250.000. Nach unserer Rechnung sind es rund 76.600, mit einer Spanne von 65.900 bis 88.000.

Ob man ein Sexkaufverbot will oder nicht: Für Beratung, Gesundheitsangebote und Ausstiegshilfen macht es einen großen Unterschied, ob es um rund 76.600 Menschen geht oder um 400.000.

„Die 400.000 sind 40 Jahre alt, und gezählt hat sie nie jemand. Wer über ein Sexkaufverbot entscheidet, sollte wenigstens wissen, über wie viele Menschen er entscheidet. Nach allem, was sich belegen lässt, sind es rund 76.600.“

„Bei den Preisen sieht man, wie wenig Spielraum viele haben. Der häufigste Preis für eine Stunde liegt seit Jahren bei 150 Euro, während fast alles andere teurer geworden ist. Wer bei diesem Preis geblieben ist, bekommt heute für eine Stunde real ein Sechstel weniger.“

§ 8Methode

So sind wir vorgegangen

Die Zahl der Sexarbeiter:innen beruht auf amtlichen Anmeldezahlen und Schätzungen vor Ort, die Preise beruhen auf Anzeigen bei Erobella.

Die Schätzung Schritt für Schritt

1. Ausgangspunkt ist die Zahl der gültigen Anmeldungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz zum 31.12.2025: 32.474 (Statistisches Bundesamt).

2. Für die großen Städte suchen wir zwei Zahlen: die amtliche Zahl der Angemeldeten und eine Schätzung, wie viele Sexarbeiter:innen dort insgesamt arbeiten, angemeldet oder nicht. Sie stammt vom Gesundheitsamt, von der Polizei, von Beratungsstellen oder von der Stadtverwaltung.

3. Schätzung und Anmeldezahl dürfen höchstens zwei Jahre auseinanderliegen, gerechnet ab dem Jahr, in dem eine Stelle die Schätzung genannt hat. Gibt eine Stelle eine Spanne an, nehmen wir die Mitte.

4. Die Summe der Schätzungen geteilt durch die Summe der Anmeldungen ergibt den Faktor: 23.446 geteilt durch 9.916 gleich 2,36.

5. 32.474 × 2,36 = 76.600, auf Hunderter gerundet.

Welche Städte zählen

Wir haben die 15 größten Städte Deutschlands geprüft, dazu Bochum, Bielefeld und Münster aus der Rechnung von 2024. Eine Stadt kommt in die Rechnung, wenn eine Stelle vor Ort die Gesamtzahl der Sexarbeiter:innen geschätzt hat, 2015 oder später und überprüfbar, wenn es eine Anmeldezahl aus derselben Zeit gibt und die Schätzung nicht unter der Zahl der Angemeldeten liegt. Das trifft auf zehn Städte zu.

Nicht dabei: München (keine Gesamtschätzung; der Berufsverband BesD sagt nur, „gut die Hälfte“ sei angemeldet); Dresden (die Stadt nannte 2020 nur ihre Schätzung aus der Zeit vor dem Prostituiertenschutzgesetz); Düsseldorf (keine belegte Gesamtschätzung seit 2015; die 4.320 in unserer Rechnung von 2024 beruhten nur auf einer Zeitungsüberschrift, 432 × 10); Duisburg (die einzige Schätzung, rund 500 pro Tag in den Jahren 2015 bis 2017, liegt unter der Zahl der Angemeldeten); Hannover (weder Anmeldezahl der Stadt noch Schätzung überprüfbar); Bochum (Schätzung von 500 aus dem Jahr 2020 steht hinter einer Bezahlschranke, nicht überprüfbar); Münster (Schätzung von 700 aus dem Jahr 2017 nicht mehr abrufbar); Bielefeld (Anmeldestelle für ganz Ostwestfalen-Lippe; die einzige Schätzung für die Region, rund 1.000 von 2017, stammt aus der Zeit vor den ersten Anmeldungen).

Rechnet man München mit der Angabe des Berufsverbands und Dresden mit der älteren Schätzung dazu, liegt der Faktor bei 2,28 statt 2,36.

Wie sicher ist die Zahl?

Auch die Zahlen vor Ort sind nur Schätzungen. Sie stammen von Stellen, die täglich mit Sexarbeiter:innen zu tun haben, gezählt hat aber niemand. Einige sind mehrere Jahre alt, in Stuttgart und Essen haben die Städte ältere Schätzungen 2023 als weiterhin gültig bestätigt. Der Faktor reicht von 1,5 in Frankfurt am Main bis 4,4 in Berlin.

Nimmt man bei allen Spannen das untere Ende, ergibt sich ein Faktor von 2,03 und damit 65.900 Sexarbeiter:innen. Mit dem oberen Ende sind es 2,71 und 88.000. Lässt man eine einzelne Stadt weg, liegt der Faktor zwischen 1,98 und 2,57.

Großstädte sind nicht ganz Deutschland. Auf dem Land könnte der Anteil der Angemeldeten anders sein. Und die Zahl ist keine Stichtagszählung: Anmeldungen gelten zwei Jahre, und einige Schätzungen vor Ort zählen, wie viele Menschen im Lauf eines Jahres in einer Stadt arbeiten. An einem einzelnen Tag sind weniger Menschen tätig.

Warum weniger als 2024?

2024 kamen wir auf 91.700, mit einem Faktor von 3,0. Der Unterschied ist kein Rückgang, sondern eine sauberere Rechnung. 2024 haben wir aktuelle Anmeldezahlen teils mit Schätzungen verglichen, die viele Jahre älter waren, in Köln mit einer Polizeizahl von 2002. In Hamburg war die Anmeldezahl eine Summe über zwei Jahre, in Düsseldorf gab es gar keine Schätzung vor Ort.

Dieses Mal liegen Schätzung und Anmeldezahl höchstens rund zwei Jahre auseinander, und jede Zahl ist mit einer Quelle belegt. Mit dem alten Faktor von 3,0 kämen wir heute auf 97.400.

Die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes hat unsere Zahl von 2024 zitiert und als „nur bedingt belastbar“ eingeordnet, weil sie auf Schätzungen vor Ort beruht. Das gilt auch für diese Rechnung. Deshalb nennen wir dieses Mal für jede Stadt die Quelle und rechnen mit Spannen.

Die Preise

Grundlage sind alle Preisangaben für eine Stunde in Anzeigen auf erobella.com seit 2021, zusammen 19.427. Mitgezählt werden nur Anzeigen, die mindestens einmal veröffentlicht waren. Wir nehmen den Preis für Treffen in den Räumen der Sexarbeiter:innen, sonst den für Hausbesuche, und lassen Angaben unter 40 oder über 1.500 Euro weg. Für den Vergleich von Hausbesuchen und Treffen in den eigenen Räumen nehmen wir alle angegebenen Preise der jeweiligen Art.

Für den Verlauf zählt das Jahr, in dem ein Preis zuletzt eingetragen oder geändert wurde. „Aktive Anzeigen“ sind alle Anzeigen, die am 2. November 2026 online waren (2.791 Stundenpreise). Für die Städte nehmen wir Preise, die 2024 bis 2026 eingetragen wurden, und zeigen nur Städte mit mindestens 40 Angaben. Für Bremen zählen Bremen und Bremerhaven.

Bei den anderen Dauern gelten diese Grenzen: halbe Stunde 20 bis 1.000 Euro, zwei Stunden 60 bis 3.000 Euro, Übernachtung 150 bis 10.000 Euro.

Es sind Angebotspreise. Was tatsächlich gezahlt wird, kann davon abweichen.

Inflation und Vergleichswerte

Die Inflation messen wir mit dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts (2020 = 100): 103,1 im Jahresdurchschnitt 2021 und 124,8 im Schnitt von Januar bis September 2026. 150 Euro von 2021 entsprechen damit heute 182 Euro.

Döner: YouGov Shopper-Panel, tatsächlich gezahlter Preis, 4,85 Euro (2021) und 7,11 Euro (2025). Mindestlohn: 9,50 Euro (Januar 2021) und 13,90 Euro (Januar 2026). Essen zum Mitnehmen sowie Friseur und Körperpflege: Teilindizes des Verbraucherpreisindex.

Schätzung und Anmeldung je Stadt
StadtSchätzungJahrAngemeldetJahrFaktor
Berlin7.00020221.59020224,40
Bremen1.050201864320191,63
Dortmund2.000202058920203,40
Essen1.200202365320231,84
Frankfurt am Main2.80020171.87720181,49
Hamburg2.350201893020182,53
Köln3.25020171.65120191,97
Leipzig700202135320231,98
Nürnberg1.550201893620181,66
Stuttgart1.546202369420232,23
Summe23.4469.9162,36

Berlin: Beratungsstellen nannten 2022 6.000 bis 8.000. Hamburg: Die Polizei nannte 2018 2.200 bis 2.500, das LKA rund 2.500. Köln: Die Stadt nannte 2017 1.500 bis 5.000; für die Untergrenze setzen wir die Zahl der Angemeldeten an. Stuttgart und Essen: Die Städte haben 2023 ältere Schätzungen als weiterhin gültig bestätigt. Leipzig: Schätzung des Gesundheitsamts, zuletzt im kreuzer 6/2021. Frankfurt: Anmeldevorgänge 2018, kein Stichtagsbestand. Bremen: Land Bremen mit Bremerhaven. Bei Spannen rechnen wir mit der Mitte.

§ 9Presse

Für Redaktionen

Alle Zahlen und Grafiken dürfen Sie mit Quellenangabe „Erobella Research“ frei verwenden.

Kontakt

Dara Weston, PR-Manager
dara@erobella.com

Interviews und Rückfragen zur Methode: Brenda Jensen, Head of Data & Research.

Downloads

Pressemitteilung (.docx) Städte (.csv) Preise (.csv)

Zitiervorschlag

Erobella Research (2026): Wie viele Sexarbeiter:innen gibt es in Deutschland? https://erobella.com/research/sexarbeit-in-deutschland/

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt (2026): Rund 32 500 angemeldete Prostituierte zum Jahresende 2025. Pressemitteilung Nr. 301 vom 21. August 2026. destatis.de
  2. Statistisches Bundesamt: Statistiken nach dem Prostituiertenschutzgesetz, Berichtsjahre 2017 bis 2025. destatis.de
  3. Statistisches Bundesamt: Prostitutionstätigkeit nach Ländern, 2017 bis 2025. destatis.de
  4. Statistisches Bundesamt: Gemeindeverzeichnis, Gebietsstand 31.12.2025. destatis.de
  5. Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex, Tabelle 61111-0001 und Teilindizes. www-genesis.destatis.de
  6. IT.NRW: Angemeldete Prostituierte nach kreisfreien Städten und Kreisen, Tabelle 22821-01i, 2019 bis 2025. landesdatenbank.nrw.de
  7. Bayerisches Landesamt für Statistik: Angemeldete Prostituierte nach Gemeinden, Tabelle 22821-001. statistikdaten.bayern.de
  8. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Prostituierte in Baden-Württemberg 2023. statistik-bw.de
  9. Berlin: Berliner Zeitung (dpa), 6.1.2022: Beratungsstellen schätzen 6.000 bis 8.000. berliner-zeitung.de
  10. Hamburg: taz, 2018 (Polizei: 2.200 bis 2.500); Destatis, Länderwerte. taz.de
  11. München (nicht in der Rechnung): Abendzeitung, 28.4.2023. abendzeitung-muenchen.de
  12. Köln: report-K, 5.7.2017 (Archiv). web.archive.org
  13. Frankfurt am Main: Bericht des Magistrats B 245/2017; B 383/2019 (Anmeldevorgänge 2018); Stellungnahme ST 834/2024. stvv.frankfurt.de
  14. Stuttgart: Gemeinderatsdrucksache 788/2023. domino1.stuttgart.de
  15. Leipzig: kreuzer 6/2021 (Archiv); LEILA/Gesundheitsamt (Ahoi, 2020); Ordnungsamt via FragDenStaat (2023); L-IZ, Mai 2025. web.archive.org
  16. Dortmund: Lokalkompass, 14.7.2020 (Archiv). web.archive.org
  17. Essen: Ratsvorlage 0937/2023/5. ris.essen.de
  18. Nürnberg: Süddeutsche Zeitung (dpa), 2.7.2018. sueddeutsche.de
  19. Bremen: Bremische Bürgerschaft, Drucksache 19/1861 (2018). bremische-buergerschaft.de
  20. Dresden (nicht in der Rechnung): Antwort des Oberbürgermeisters, 2020; Sächsischer Landtag, Drs. 8/3787. ratsinfo.dresden.de
  21. Wibke Becker (2023): Rotlicht. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.6.2023. bsd-ev.info
  22. Deutscher Bundestag, Drucksache 14/5958 (2001): Entwurf eines Prostitutionsgesetzes. dserver.bundestag.de
  23. Welt am Sonntag (2013): Augsburg mit höchster Dichte von Prostituierten. welt.de
  24. Helmut Sporer (2022): Der neue Deutsche Weg. Hanns-Seidel-Stiftung, Aktuelle Analysen 93. hss.de
  25. Deutscher Bundestag, Drucksache 20/10384 (2024): Antrag der CDU/CSU-Fraktion. dserver.bundestag.de
  26. taz (2025): Debatte um Prostitutionsgesetz, 7.11.2025. taz.de
  27. evangelisch.de (epd), 21.8.2026: Solwodi: Statistik erfasst nur Teil der Prostitution. evangelisch.de
  28. Gregor Thüsing (2026): Stellungnahme, Ausschussdrucksache 21(6)111e. bundestag.de
  29. Doña Carmen e. V. (2020): In Deutschland arbeiten 90.000 Sexarbeiter*innen. donacarmen.de
  30. KFN (2025): Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes, Abschlussbericht. bmbfsfj.bund.de
  31. Stuttgarter Zeitung, 4.11.2025: Julia Klöckner zum Sexkaufverbot. stuttgarter-zeitung.de
  32. Deutsches Ärzteblatt, 6.11.2025: Warken für Sexkaufverbot in Deutschland. aerzteblatt.de
  33. BMBFSFJ, 24.11.2025: Prostituiertenschutz-Kommission nimmt Arbeit auf. bmbfsfj.bund.de
  34. BMBFSFJ: Evaluation und Prostituiertenschutz-Kommission (Zeitplan, Stand 27.7.2026). bmbfsfj.bund.de
  35. Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD (2025), S. 103. koalitionsvertrag2025.de
  36. Erobella (2024): Wie viele Sexarbeiter:innen gibt es in Deutschland? (2024). erobella.com
  37. Erobella: Preisangaben in Anzeigen auf erobella.com, 2021 bis 2. November 2026, eigene Auswertung.